Eine schräge und schrille Atomkraft-Nein-Danke Party
Was für ein Abend! Es schwirrt der Kopf wie nach einer wilden Sause! Gefeiert haben wir zusammen mit Fall Out Girl und Bartleby. Sie, ein neurotisches Energiebündel, hält sich für Mary Jane Watson, die Frau von Peter Parker. Und will sie das mit dem atomaren Vermächtnis nicht hinnehmen will, sucht sie ihren „Spiderman". Der ist schliesslich vom Fach und soll richten, was die Menschheit verbockt hat. Im Schlepptau hat sie Bartleby, einen etwas unmotivierten Comicladenbesitzer und Provinzrocker aus Thüringen. [...]
In Szene gesetzt hat „Fall Out Girl" Niklaus Helbling. Zusammen mit zwei multitalentierten Darstellern und dem seit 2011 in Hamburg ansässigen „Ost"-Ableger von „Mass & Fieber". Der Abend ist deutliche Gesellschaftskritik, verpackt in überdrehtes Poptheater. Und seine Wirkung gleicht einem Kater: Sie entfaltet sich erst so richtig, wenn das Schwirren vorüber ist.
even say wunderbar: postatomares Theater mit Mass & Fieber auf Kampnagel
[…]Und das alles funktioniert prächtig, es ist bunt, mal laut und mal
leise. Die beiden Darsteller lassen es an nichts fehlen, singen
und spielen sich lustvoll die Seele aus dem Leib, kaum kommt man
einmal zu Atem ob des furiosen Tempos... In einem Land, in dessen Baumärkten die Geigerzähler
ausgehen, wenn auf der anderen Seite der Erde ein Atomkraftwerk
zerstört wird, ist die Haltung, die dieses Stück zeigt, längst
überfällig.
Total verstrahlte Rock-Revue - Das Theater Jena gastiert mit »Fall Out Girl« im Societaetstheater
Fast schon zu beglückwünschen für ihre ausgezeichnete Stückwahl, waren die etwas mehr als zwei Dutzend Zuschauer am letzten Freitag im Societaetstheater. Trotz der geradezu schmerzlichen Leere im Saal, hat das Spielerduo Antonia Labs und Johannes Geißer sich nicht unterkriegen lassen und auch bei der Dresden-Premiere ihrer bundesweiten radioaktiven Roadshow »Fall Out Girl« zuerst die Bühne und dann das gesamte Publikum zum Strahlen gebracht. Niklaus Heiblings Regiearbeit ist elektrisierendes Papp-Art-Musiktheater mit einem unglaublich charmanten Trashfaktor und malt alles andere als eine schöne, weil postatomare Zukunft.
http://www.dresdner.nu/reviews/
Umjubelte Fall Out Girl Premiere in Jena
[…]Was absurd und schrill klingen mag, ist letztlich intelligentes
"Poptheater" mit einem sehr ernsthaften Kern.. denn durch die
Katastrophe von Fukushima ist die atomare Bedrohung wieder verstärkt in das öffentliche Bewusstsein gerückt...Getragen wird das gut 90-minütige Stück von der Vielseitigkeit der
beiden Darsteller. Labs, bisweilen manisch-hyperaktiv und mit vollem
Körpereinsatz, Geißler hingegen
als ausgeglichener, männlicher Gegenpart, der auch zeigt, was er an der
Gitarre kann... Zudem mangelt es nicht an Musik: Jimi Hendrix, Bob Dylan oder Henry Purcell ein Höhepunkt, wenn Labs in feinster Klaus Nomi Manier den "Cold Song" interpretiert, sogar ein Rap-Song ist im Repertoire sowie diverse Eigenkompositionen.
http://www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/Umjubelte-Fall-Out-Girl-Premiere-in-Jena-507480569
Fall Out Girl feiert in Jena Hochexplosive Premiere
[…]Um all die herrlich verflochtenen Geschichten zu erzählen - von "Schrödingers Katze", von den Tieren, die sich in Tschernobyl wohl fühlen, von Barbarossa und dem Kyffhäuser - braucht es auf der Bühne nicht mehr als eine Handvoll Requisiten, einen vierteiligen Pappaufsteller, einen übergroßen, aufblasbaren Pikachu und die hervorragenden Videos von Elke Auer. Sie brachte mit ihren Projektionen unter anderem Orson Welles und Hellboy als weitere Spieler auf die Bühne.
[…]Antonia Labs und Johannes Geißer verkörpern ihre Rollen mit solcher Inbrunst, dass man hier wahrhaftig den Prototyp des längst zum künstlerischen Universalzitat avancierten "seltsamen Paares" vor sich glaubt... Wie die beiden interagieren, ja in ihrer Verschiedenheit harmonieren, ist derart komisch, dass es sogar flachere Pointen zu retten vermag... Letztlich ist es in düster-ernsten Zeiten wie diesen wohl wirklich rebellisch, sich apokalyptisch verbrämten Menschheitsthemen mit viel Frohsinn zu widmen. Denn genau in diesem Sinne funktioniert "Fall Out Girl": substantielle Gesellschaftskritik als verstörende Party. Und davon sollte es wahrlich mehr geben an deutschen Theatern.