pressestimmen zu FALL OUT GIRL

"Denn wer Thüringens abgefahrene postapokalyptische Rock-Revue erlebt hat, wird noch seinen Enkeln von jenem Abend erzählen, als Pikachu in den Himmel aufstieg und sich die Tore zum Endlager Kyffhausen öffneten." (Dresdner Kulturmagazin)

 

Tagesanzeiger, Der Bund: Isabel Hemmel, 30.4.2012

Eine schräge und schrille Atomkraft-Nein-Danke Party
Was für ein Abend! Es schwirrt der Kopf wie nach einer wilden Sause! Gefeiert haben wir zusammen mit Fall Out Girl und Bartleby. Sie, ein neurotisches Energiebündel, hält sich für Mary Jane Watson, die Frau von Peter Parker. Und will sie das mit dem atomaren Vermächtnis nicht hinnehmen will, sucht sie ihren „Spiderman". Der ist schliesslich vom Fach und soll richten, was die Menschheit verbockt hat. Im Schlepptau hat sie Bartleby, einen etwas unmotivierten Comicladenbesitzer und Provinzrocker aus Thüringen. [...]
In Szene gesetzt hat „Fall Out Girl" Niklaus Helbling. Zusammen mit zwei multitalentierten Darstellern und dem seit 2011 in Hamburg ansässigen „Ost"-Ableger von „Mass & Fieber". Der Abend ist deutliche Gesellschaftskritik, verpackt in überdrehtes Poptheater. Und seine Wirkung gleicht einem Kater: Sie entfaltet sich erst so richtig, wenn das Schwirren vorüber ist.

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HAMBURGER FEUILLETON: Matthias Schumann, 26.4.2012

even say wunderbar: postatomares Theater mit Mass & Fieber auf Kampnagel
[…]Und das alles funk­tio­niert präch­tig, es ist bunt, mal laut und mal leise. Die bei­den Dar­stel­ler las­sen es an nichts feh­len, sin­gen und spie­len sich lust­voll die Seele aus dem Leib, kaum kommt man ein­mal zu Atem ob des furio­sen Tem­pos... In einem Land, in des­sen Bau­märk­ten die Gei­ger­zäh­ler aus­ge­hen, wenn auf der ande­ren Seite der Erde ein Atom­kraft­werk zer­stört wird, ist die Hal­tung, die die­ses Stück zeigt, längst überfällig.

Denn was da so groß­ar­tig gelingt, ist die Ent­klei­dung eines Dog­mas, das sich inzwi­schen – vor allem in Deutsch­land – zu einer allein mora­li­schen Kate­go­rie ent­wi­ckelt hat. Wel­che Hoff­nun­gen und Visio­nen in der noch immer unbe­kann­ten Macht Radio­ak­ti­vi­tät gese­hen wur­den und wel­che Vor­stel­lun­gen und Pho­bien diese gene­rie­ren kann, all das ist ja auf der Bühne end­lich in bei­den Rich­tun­gen zu ent­de­cken. Das ist wich­tig, spek­ta­ku­lär und vor allem unge­mein anre­gend für die the­ma­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung, ohne das große Manko der Ver­ein­nah­mung durch dog­ma­ti­sche Fun­da­men­ta­lis­ten.

http://www.hamburger-feuilleton.de/category/theater/



DRESDNER KULTURMAGAZIN: Martin Krönert, 24.3.2012

Total verstrahlte Rock-Revue - Das Theater Jena gastiert mit »Fall Out Girl« im Societaetstheater
Fast schon zu beglückwünschen für ihre ausgezeichnete Stückwahl, waren die etwas mehr als zwei Dutzend Zuschauer am letzten Freitag im Societaetstheater. Trotz der geradezu schmerzlichen Leere im Saal, hat das Spielerduo Antonia Labs und Johannes Geißer sich nicht unterkriegen lassen und auch bei der Dresden-Premiere ihrer bundesweiten radioaktiven Roadshow »Fall Out Girl« zuerst die Bühne und dann das gesamte Publikum zum Strahlen gebracht. Niklaus Heiblings Regiearbeit ist elektrisierendes Papp-Art-Musiktheater mit einem unglaublich charmanten Trashfaktor und malt alles andere als eine schöne, weil postatomare Zukunft.

Auch Fall Out Girl findet nur wenig schmeichelhafte Worte für ihr Schicksal als verstrahlte Erbin der Menschheit. Ihr Freund Bartleby nimmt's da leichter und raucht zur Ablenkung kontaminiertes Gras, dass auf dem Endlager Kyffhausen wächst. Gemeinsam suchen sie nach dem Spinnenmann Peter Parker, der nach einer erfolglosen Fotojournalistenkarriere aus Geldsorgen begann, für einen skrupellosen Genetik-Konzern zu arbeiten und dann spurlos verschwand. Die auf eine faltbare Pappwand gebeamten Geister von Marie Curie und Orson Welles könnten den beiden bei ihrer Suche helfen, doch was haben ein Donald-Duck-Mutant, ein Gatling-Gewehr und Humanoide mit überdimensionierten Geschlechtsorganen zu tun? Und wieso hat Schrödinger noch einmal seine Katze vergiften wollen? In anderthalb Stunden voller Action und witzigen Folk-, Vocalrock- und HipHop-Songs sowie Labs wunderbar ironisch gesungener Arie zum Niederknien, werden diese und viele andere Fragen beantwortet.

»Fall Out Girl« ist quietschbunt, aufregend, lustig und vor allem herrlich schräg. Jedoch sollte man zumindest in Ansätzen der englischen Sprache mächtig sein, damit man nicht nur Geißers beeindruckend facettenreiches E-Gitarrenspiel, sondern auch den Wortwitz seiner primär englischen Musik-Kompositionen vollends genießen kann. Es soll hier nun noch einmal offiziell an die Dresdner Kulturfreunde appeliert werden, sich ja nicht die zweite und letzte Dresden-Vorstellung entgehen zu lassen. Denn wer Thüringens abgefahrene postapokalyptische Rock-Revue erlebt hat, wird noch seinen Enkeln von jenem Abend erzählen, als Pikachu in den Himmel aufstieg und sich die Tore zum Endlager Kyffhausen öffneten.

http://www.dresdner.nu/reviews/


OSTTHÜRINGER ZEITUNG: Marcus Schulze,16.3.2012

Umjubelte Fall Out Girl Premiere in Jena
[…]Was absurd und schrill klingen mag, ist letztlich intelligentes "Poptheater" mit einem sehr ernsthaften Kern.. denn durch die Katastrophe von Fukushima ist die atomare Bedrohung wieder verstärkt in das öffentliche Bewusstsein gerückt...Getragen wird das gut 90-minütige Stück von der Vielseitigkeit der beiden Darsteller. Labs, bisweilen manisch-hyperaktiv und mit vollem Körpereinsatz, Geißler hingegen als ausgeglichener, männlicher Gegenpart, der auch zeigt, was er an der Gitarre kann... Zudem mangelt es nicht an Musik: Jimi Hendrix, Bob Dylan oder Henry Purcell ein Höhepunkt, wenn Labs in feinster Klaus Nomi Manier den "Cold Song" interpretiert, sogar ein Rap-Song ist im Repertoire sowie diverse Eigenkompositionen.

http://www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/Umjubelte-Fall-Out-Girl-Premiere-in-Jena-507480569

 

THÜRINGISCHE LANDESZEITUNG: Jördis Bachmann, 16.3.2012

Fall Out Girl feiert in Jena Hochexplosive Premiere
[…]Um all die herrlich verflochtenen Geschichten zu erzählen - von "Schrödingers Katze", von den Tieren, die sich in Tschernobyl wohl fühlen, von Barbarossa und dem Kyffhäuser - braucht es auf der Bühne nicht mehr als eine Handvoll Requisiten, einen vierteiligen Pappaufsteller, einen übergroßen, aufblasbaren Pikachu und die hervorragenden Videos von Elke Auer. Sie brachte mit ihren Projektionen unter anderem Orson Welles und Hellboy als weitere Spieler auf die Bühne.

http://www.otz.de/startseite/detail/-/specific/Fall-out-Girl-feiert-in-Jena-hockexplosive-Premiere-669580132

 

NACHTKRITIK: Christian Baron, 15.3.2012

[…]Antonia Labs und Johannes Geißer verkörpern ihre Rollen mit solcher Inbrunst, dass man hier wahrhaftig den Prototyp des längst zum künstlerischen Universalzitat avancierten "seltsamen Paares" vor sich glaubt... Wie die beiden interagieren, ja in ihrer Verschiedenheit harmonieren, ist derart komisch, dass es sogar flachere Pointen zu retten vermag... Letztlich ist es in düster-ernsten Zeiten wie diesen wohl wirklich rebellisch, sich apokalyptisch verbrämten Menschheitsthemen mit viel Frohsinn zu widmen. Denn genau in diesem Sinne funktioniert "Fall Out Girl": substantielle Gesellschaftskritik als verstörende Party. Und davon sollte es wahrlich mehr geben an deutschen Theatern.

http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=6697:fall-out-girl-eine-radioaktive-roadshow-von-brigitte-und-niklaus-helbling-am-theaterhaus-jena&catid=38:die-nachtkritik&Itemid=40

 

 


Pikachu on Stage / Bild: Joachim Dette


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